"Die Energiewende braucht mehr Köpfchen und weniger Kupfer."

Interview  /  Interview mit Hildegard Müller, Vorständin, innogy SE

Die Energiewende findet im Verteilnetz statt, heißt es immer wieder. Also viel zu tun für Hildegard Müller, die im Vorstand von innogy das Ressort Netz & Infrastruktur verantwortet. Im Interview spricht sie über die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung, Anforderungen an eine zeitgemäße Anreizregulierung und das Projekt „Designetz“.

e|m|w: Frau Müller, in der Energiewirtschaft macht das geflügelte Wort „Die Energiewende findet im Verteilnetz statt“ die Runde. Wie verändert sich die Rolle des Verteilnetzbetreibers konkret?

Müller: Der Verteilnetzbetreiber übernimmt künftig nicht mehr nur am Ende der Kette die letzte Verteilung, sondern er wird zum zentralen Manager der Energiewende. Dabei ist er nach wie vor Garant dafür, dass die Versorgungssicherheit aufrechterhalten bleibt. Ich betone das, denn die Stabilität des Netzes ist ein hohes Gut. Und dass diese Aufgabe anspruchsvoller wird, zeigt sich darin, dass die Zahl der notwendigen Eingriffe in den Netzbetrieb drastisch steigt.

In der öffentlichen Diskussion liegt häufig das Augenmerk auf dem Übertragungsnetz, die ganz überwiegende Zahl der Eingriffe erfolgt aber im Verteilnetz. Hinzu kommt der Trend zur fortschreitenden Dezentralisierung. Mehr als 90 Prozent der Erzeugungsanlagen werden im Verteilnetz angeschlossen. Allein in unserem Netzgebiet haben wir 330.000 Erneuerbaren-Anlagen angeschlossen, in Deutschland insgesamt gibt es mehr als rund 1,6 Millionen. Aus der Einbahnstraße der Vergangenheit, vom Übertragungsnetz in das Verteilnetz, wird ein bidirektionaler Traffic. Zudem beschäftigen uns neue Entwicklungen wie Sektorkopplung und Digitalisierung. Auch diese Entwicklungen finden im Verteilnetz statt.

Dezentrale Strukturen brauchen aber auch dezentrale Netzlösungen. Die Verteilnetzbetreiber sollen ihrer wachsenden Verantwortung für die Netzstabilität in der Region und vor Ort nachkommen können. Wir wollen deswegen das Subsidiaritätsprinzip der Energiewende stärken. Ich bin überzeugt, dass wir zum Wohle der Verbraucher viele kluge Lösungen finden können. Zugleich können wir Netzausbau vermeiden, wenn wir intelligente Flexibilitäts- und Lastmanagementsysteme aufbauen. Das erproben wir derzeit in unserem Forschungsprojekt Designetz...

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