"Ein Markt, der negative Preise zeigt, ist kein Markt."

Interview  /  Interview mit Wolfgang Anzengruber, Vorstandsvorsitzender Verbund AG, Österreich

Die Verbund AG hat klare Erwartungen an die neue deutsche Bundesregierung. Im Interview mit e|m|w hat Wolfgang Anzengruber, Vorstandsvorsitzender, über drei aktuelle Fragen der Energiepolitik gesprochen: die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes für mehr Wettbewerb, die Reform des Europäischen Emissionshandelssystems und die Preiszonen-Problematik im Kontext des Preisverfalls beim Strom aus Erneuerbaren Energien.

e|m|w: Herr Anzengruber, in Deutschland ist der Findungsprozess für eine neue Bundesregierung endlich abgeschlossen. Welche vordringliche Bitte haben Sie an die neue schwarz-rote Koalition?

Anzengruber: Da werde ich mit einer Bitte nicht auskommen. Wir brauchen dringend eine EEG-Reform, um zu einer wettbewerbsorientierten Preisfindung zu kommen. Bei Neuinvestitionen kommen derzeit nur Technologien und Projekte in Frage, die gefördert werden. Hier haben wir keinen freien Markt. Und: Wir brauchen eine nachvollziehbare und belastbare Vorgehensweise, was das CO2-Thema und die Reform des Europäischen Emissionshandels betrifft. Drittens liegt mir im Verhältnis Deutschland und Österreich die Preiszonen-Problematik am Herzen. Hier wird mit der geplanten Engpassbewirtschaftung ein Irrweg beschritten. Es ist eine Lösung, die nicht dort ansetzt, wo das wirkliche Problem liegt und zudem verkleinert sie die Märkte.

e|m|w: Welche Schritte sollten beim EEG folgen?

Anzengruber: Ein Markt, der negative Preise zeigt, ist kein Markt. In einer Wettbewerbsumgebung würde kein Erzeuger seine Güter für negative Preise anbieten. Zweitens kommt aus dem Markt kein Anreiz für neue Technologien, wenn nicht gefördert wird. Da ist die Frage, ob der Energy-Only- Markt überhaupt ein geeignetes System ist. Die Weichen sind unumkehrbar in Richtung Erneuerbare gestellt – und das ist gut so. Aber stellen Sie sich vor, wir haben nur noch Erneuerbare im System, dann zeigt der Energy-Only-Markt bei den Grenzkosten nahezu Null. Dann wird aus diesem Markt kein Investitionsanreiz mehr kommen. Wenn wir uns aber einig sind, dass das wichtigste Thema die CO2- Reduktion ist, dann müssen wir dieses Thema auch wirklich in die Preisfindung und in den Wettbewerb einbinden. Der heutige CO2-Preis ist aber kein Investitionsanreiz. Das wirtschaftlichste Kraftwerk ist heute immer noch ein Braunkohlekraftwerk.

e|m|w: Erwarten Sie, dass in dieser Hinsicht auf europäischer Ebene etwas passiert, oder braucht es nationale Initiativen?

Anzengruber: Der Europäische Emissionshandel ist ein marktwirtschaftliches System mit Angebot und Nachfrage, aber es wird falsch bedient. Wir haben eine Über-Allokation bei den Gratis-CO2-Zertifikaten. Wenn wir das nicht ändern, dauert es 20 Jahre, bis ein Investitionssignal kommt. Man kann die Gratiszertifikate entweder herauskaufen – oder aber man setzt einen CO2- Mindestpreis. Das heißt: Das geht nur, wenn es alle tun. Wir sehen aber, dass es einzelne Länder im Alleingang einführen, England, Skandinavien, Schweiz, Frankreich denkt darüber nach. Wir würden es begrüßen, wenn ein paar europäische Länder hier gemeinsam vorangingen. Dann würde das ganze EEG entlastet und wir müssten weniger fördern. Natürlich würde der Preis steigen, aber bei einem CO2-Preis von 30 oder 40 Euro würde in der Merit Order ein Gaskraftwerk vor der Kohle landen...

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