Ausgabenarchiv

Neue Energiedienstleistungen
Der Kohleausstieg markiert einen gewaltigen Meilenstein der Dekarbonisierung der alten Energielandschaft. Weitere fossile Energieträger dürften folgen. Die neue Landschaft wird beherrscht von dezentralen und erneuerbaren Energien und intelligenten Technologien. Für die Branche intensiviert sich die Suche nach neuen einträglichen Geschäftsmodellen.

Diese Ausgabe der e|m|w ist ein Spiegel des Auf- und Umbruchs: Maria Moræus Hanssen, Vorstandsvorsitzende der DEA, hat mit uns über die Fusion mit Wintershall, die langfristige Perspektive von Erdgas und globale CO2-Preise gesprochen. Stefan Küppers, Technischer Geschäftsführer der Westnetz, entwirft eine Perspektive für Verteilnetzbetreiber in der dezentralen Erzeugungslandschaft. Im Schwerpunkt stellen wir Energiedienstleistungen für die neue Energiewelt vor. Neue Service- und Produktangebote lassen sich beispielsweise aus Stromtarif, Smart Meter, E-Mobility und Speicher kombinieren.

​Ein weiteres Aus steht ebenfalls vor der TĂĽr: Zahlreiche ältere EEG-Anlagen fallen bald aus der Förderung. Wolfram Axthelm (Bundesverband Windenergie), Jochen Hauff (Baywa.re/Vice President Solarpower Europe) und Robert Busch (Bundesverband Neue Energiewirtschaft) diskutieren am e|m|w-Round-Table, wie sich Erneuerbaren-Anlagen auĂźerhalb der Förderung am Markt positionieren können.
Predictive Analytics
"Daten sind das neue Gold" lautet ein geflügeltes Wort, das auch in der Energiewirtschaft inzwischen viele Anhänger hat. Während Datenanalysen früher lediglich vergangenheitsorientierte und erklärende Informationen lieferten, werden sie nun immer mehr für den Blick in die Zukunft eingesetzt. Preis-, Absatz- und Erzeugungsprognosen sind für einen erfolgreichen Energiehandel entscheidend, Energievertriebe nutzen Daten-Segmentierung für Kundenanalysen und die Auswertung ungewöhnlicher Sensordaten ermöglicht Technikern eine vorbeugende Instandhaltung. Im Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe von emw.trends schildern unsere Autoren die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Predictive Analytics in der Energiewirtschaft.

FĂĽr die Rubrik "Markt & Technik" haben wir ein Interview mit Joachim Lang vom Messdienstleister Discovergy gefĂĽhrt. Lang schildert darin, vor welche Herausforderungen Stadtwerke durch den Smart-Meter-Rollout gestellt werden, wie sich Discovergy zur Wohnungswirtschaft positioniert und welche Rolle das Unternehmen im Forschungsprojekt "Emigmo" spielt. Lesen Sie auĂźerdem in der Rubrik, wie die neue LOHC-Technologie den Speichermarkt revolutionieren will und wie ein Ludwigshafener Netzbetreiber die Vorgaben des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende zum Messbetrieb umsetzt.
Finanzierung von Energieprojekten
Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts: Die Entwicklung der Energieerzeugung hängt nicht nur von den technischen Möglichkeiten ab, sondern auch von den Rahmenbedingungen des Kapitalmarktes. Die finanziellen Herausforderungen für den Bau thermischer Kraftwerke waren eines der Themen im Interview mit Joachim Rumstadt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Steag. Weitere Beiträge des Schwerpunktes „Finanzierung von Energieprojekten“ befassen sich mit Risiken bei Investitionen in Onshore-Windkraft und Gaskraftwerke sowie mit dem Instrument Crowdfinance für den Bau von Erneuerbare-Energien-Anlagen.

In der Rubrik „Erzeugung und Infrastruktur“ erläutern unsere Autoren unter anderem, wie sich mit Nordseewasser heizen lässt, welchen Einfluss neue Werkstoffe auf die Fahrweise von Kohlekraftwerken haben und wie sich die Gasprognosetemperatur in der täglichen Praxis bewährt. Dr. Christian Becker und Wilfrid Ullrich, Vorstände der Stadtwerke Aachen, erläutern im Interview ihre E-Mobility-Strategie und stellen sich auch Fragen zur Weiterentwicklung der Trianel. Und wer schon immer wissen wollte, worüber eigentlich Dr. Marie-Luise Wolff, Vorstandsvorsitzende der Entega und Präsidentin des BDEW, promoviert hat, dem sei ein Blick in die Rubrik e|m|w persönlich empfohlen.
Cybercrime
Digitalisierung und Vernetzung bieten der Energiewirtschaft groĂźe Chancen. Bei den Risiken sind viele Unternehmen allerdings oft blauäugig. „Bei europäischen Firmen dauert es durchschnittlich 469 Tage, bis ein Cyber-Angriff ĂĽberhaupt bemerkt wird“, schreibt unser Gastautor Michael Häring vom Frankfurter Risikoberater Marsh in unserem Themenschwerpunkt „Cybersecurity“.

Vor allem Betreiber kritischer Infrastrukturen wie Strom- oder Gasnetzbetreiber stehen in der Pflicht, Maßnahmen gegen Cyberangriffe zu ergreifen. „Wir haben hier vielerorts offene Scheunentore“, kritisiert Stephan Boy vom Zukunftsforum öffentliche Sicherheit im Deutschen Bundestag, im Interview mit emw.trends. Er fordert eine stärkere Konzentration auf systemübergreifende Lösungen.

In der Rubrik „Markt & Technik“ lesen Sie darüber hinaus, wie mobile Rechenzentren hohe Sicherheit mit Energieeffizienz verbinden, wie Roboter Stadtwerken im Rechnungswesen unterstützen und warum für kommunale Versorger das Feedback von Kunden bei der Produktentwicklung höchste Bedeutung besitzen sollte.
Digitalisierung im Handel
Was die viel beschworene Digitalisierung wirklich bedeutet, unterscheidet sich je nach Sektor und Unternehmen bis in die Fachabteilungen hinein. Der Schwerpunkt dieser Ausgabe konzentriert sich auf die Digitalisierung des Energiehandels: Unsere Autoren zeigen, welche Möglichkeiten Blockchain, Peer-to-Peer und Algo-Trading im Energiehandel bieten. Wie die Digitalisierung auch die Produktentwicklung im klassischen B2C-Vertrieb verändert, zeigt der Beitrag der Würzburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft über ihr Produkt „WVV Active“. Bei dem Ökostrom-Tarif spielt ein Fitness-Tracker eine entscheidende Rolle.

Die Einspeisevergütung steuert auf ein historisches Datum zu: Ende 2020 läuft für die ersten Erneuerbaren-Anlagen die Förderung nach dem EEG aus. Bis 2025 werden bis zu 16.000 MW Wind-Leistung das EEG-Fördersystem verlassen. Der Bundesverband WindEnergie erörtert in seinem Beitrag, welche Perspektiven es für den Weiterbetrieb der Anlagen gibt.

Auch Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE AG, geht im Interview auf den Platz der Windenergie in der Strategie des norddeutschen Versorgers ein. Die Situation beim Bau flankierender thermischer Kraftwerke ist Gegenstand des Interviews mit Matthias Zelinger vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).
Agile Leadership
"Agiles Arbeiten" lautet derzeit das Zauberwort, wenn es darum geht, Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. Das gilt auch für die Energiewirtschaft: Immer mehr Versorger führen agile Methoden ein, um schneller, besser und erfolgreicher zu werden. Doch was bedeutet das für Führungskräfte? Sie müssen die Rahmenbedingungen für ein störungsfreies Arbeitsumfeld schaffen, Unternehmensziele definieren und strategische Maßnahmen ableiten. "Strategie wird so wieder zur täglichen Hauptarbeit von Führungskräften", schreibt unser Gastautor Timo Eggers vom Energiedienstleister Quantum.

Doch gerade in Unternehmen mit wenig Erfahrungen mit agilen Methoden entstehen oft große Widerstände. In unserem Schwerpunkt zum Thema "Agile Leadership" lesen Sie, wie Führungskräfte typische Fehler von Anfang an vermeiden und welchen Beitrag Social-Collaboration-Tools zu einer agileren Zusammenarbeit leisten können. Wie ein solcher Umbau in der Praxis aussieht, erläutert Gasag-Personalleiterin Meike Birkenmaier im Interview: "Jetzt starten wir in Projekte, ohne zu wissen, welcher der beste Weg zum Ziel ist. Das ist für die Energiewirtschaft neu und bedeutet letztlich ein völlig anderes Arbeiten".

In der Rubrik Markt & Technik lesen Sie zudem, wie auf Grundlage der Disaggregation von Strom-Verbrauchsdaten neue Geschäftsmodelle entstehen und wie ein norddeutscher Netzbetreiber Störungen erkennt, bevor sie entstehen.
GrĂĽnes Gas
Die Energiewende war lange in erster Linie eine Abkehr von der konventionellen Stromerzeugung. Die Dekarbonisierung von Wärme und Verkehr spielte eine untergeordnete Rolle und schien sich in einer All-electric-World von selbst zu erledigen. Das Konzept hatte aber leider ein paar lästige Probleme wie Transport, Speicherung und Grundlastfähigkeit von Erneuerbaren-Strom nicht berücksichtigt.
 
Hier hat sich die Gaswirtschaft (zurück) ins Spiel gebracht. Die vorhandene Gas-Infrastruktur könnte umgewandelten überschüssigen Ökostrom speichern, Biogas könnte fossile Energieträger im Verkehr ersetzen. Diese und andere Aspekte beleuchtet unser Schwerpunkt „Grünes Gas“: Reinhard Otten, Stratege für Nachhaltige Produktentwicklung bei der Audi AG, erläutert im Interview die diversifizierte Strategie des Automobilherstellers für alternative Antriebe. Das Pro & Contra einer gemeinsamen Netzplanung von Fernleitungs- und Übertragungsnetzbetreibern diskutieren Dr. Thomas Gößmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Thyssengas GmbH und Achim Zerres, Leiter der Energieregulierung bei der Bundesnetzagentur. Außerdem finden Sie in dieser Ausgabe ein exklusives Interview mit Dietmar Spohn, Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Bochum, das auch die Entwicklung von Trianel und Steag thematisiert.
Bots, Big Data & Co.
Die Geschäftsmodelle von Stadtwerken und Energieversorgern werden künftig zunehmend datenbasiert sein. „In der neuen digitalen Energiewelt werden aus Versorgern mehr und mehr IT-Unternehmen mit angeschlossenen Strom-, Gas- und Wärmeaktivitäten“, schreiben unsere Gastautoren Oliver Doleski und Adrian Fopp in ihrem Beitrag, den Sie im Schwerpunkt dieser Ausgabe lesen können. Basis künftiger Geschäftsmodelle sind Smart Data, also Daten, die mittels Algorithmen bzw. künstlicher Intelligenz aus größeren Datenmengen extrahiert wurden.

Welche Nutzen die richtige Kombination aus Daten in der Praxis haben kann, erläutert Oliver Habisch, Geschäftsführer des Bonner Start-ups Recogizer, im Interview mit emw.trends. Sein Unternehmen reduziert mit Hilfe von Predictive Analytics den Energieverbrauch von Gewerbeimmobilien. Unsere Gastautorin Bahar Jawadi Arjomand beschreibt, wie der gezielte Einsatz von intelligenten Chatbots Energieunternehmen bei der Verbesserung des Kundenservices helfen kann.

In der Rubrik Markt & Technik erklärt Daniel KĂĽhne von Kiwigrid die Marktaussichten fĂĽr die Energiemanagement-Lösung seines Unternehmens. Zudem werfen wir einen Blick auf intermodale Mobilität und die Frage, wie Energieunternehmen durch Weiterbildung ihrer Mitarbeiter ihren Erfolg steigern können.   
Data Analytics fĂĽr die Energiewirtschaft
Die Digitalisierung verlangt von allen Playern im Markt, ihre Wertschöpfungskette neu zu sortieren. Dem riesigen Wachstums- und Entwicklungsfeld „Data Analytics“ widmen wir uns im Schwerpunkt der aktuellen e|m|w. Unsere Autoren erläutern die Möglichkeiten, wie sich mithilfe von Datenanalyse Effizienzen in den unterschiedlichsten Geschäftsfeldern heben lassen – von der Windenergie über den Netzbetrieb bis hin zum Endkundenvertrieb und zur Sektorkopplung.
 
So beschreibt Martin Ridder, Bereichsleiter Vertrieb bei der GASAG AG, wie mithilfe von Data Analytics die Bedürfnisse der Kunden antizipiert werden und die passenden Angebote zur richtigen Zeit gemacht werden können.
"Daten zu erheben lohnt sich nur, wenn diese auch richtig ausgewertet und genutzt werden", erklärt Peter Herbert Meiser, Abteilungsleiter Wind Cert Services bei der TÜV SÜD Industrie Service GmbH. Wie dies mithilfe einer neuen App für die Windenergie gelingt, finden Sie ebenso in dieser emw-Ausgabe.
 
Neben vielen weiteren spannenden Artikeln finden Sie außerdem exklusive Interviews mit Wolfgang Anzengruber, Vorstandsvorsitzender Verbund AG, sowie mit Peter Reitz, Vorstand der größten europäischen Strombörse EEX.
Industrie 4.0 meets Energie
Wir stehen am Anfang der vierten industriellen Revolution. Die Vernetzung von realer Produktionswelt und virtueller IT-Welt wird zunehmend Alltag. Dazu gehört auch, dass die Industrie ihren Energiebezug und -verbrauch digitalisiert – was Chancen für mehr Energieeffizienz eröffnet. Und hier ist noch Luft nach oben: Rund 30 Prozent des Energieverbrauchs entfallen hierzulande auf die Industrie.
 
„Eine smarte Fabrik braucht eine smarte Energieversorgung“, sagt Gunther Koschnik vom ZVEI. Im Interview mit emw.trends erläutert er, wie Fabriken mithilfe von Gleichspannungsnetzen Energie einsparen und als Prosumer zur Netzstabilität und Erneuerbaren-Integration beitragen können. Lesen Sie außerdem in unserem Heftschwerpunkt „Industrie 4.0 meets Energie“, wie künstliche Intelligenz und neuronale Netze energieintensiven Unternehmen zu mehr Effizienz verhelfen können, welches beeindruckende Lastverschiebungs-Potenzial in „Power-to-Aluminium" steckt und wie kritische Infrastrukturen von EVU und Industrie besser geschützt und Prozesse zugleich stabilisiert werden.
 
In der Rubrik „Markt & Technik“ schwenken wir von der Industrie 4.0 zur „Arbeit 4.0“ und berichten, wie Energieversorger mit sozialen Netzwerken Transparenz und Kreativität in ihren Unternehmen fördern und was wir aus der historischen Betrachtung der industriellen Revolutionen über die Zukunft lernen können.