Zukunftsmodell Peer-to-Peer

Neue GeschĂ€ftsmodelle fĂŒr Energieakteure
Schwerpunkt: Digitalisierung im Handel  /  Dr. Christian Chudoba, GrĂŒnder und CEO, Lumenaza

Peer-to-Peer-Geschäftsmodelle sind spätestens seit Airbnb, Uber und Blablacar im Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit angekommen. Diese Trends haben nun auch den Energiemarkt erreicht: Eine zunehmende dezentrale Erzeugung und der Einsatz skalierbarer Software ermöglichen es neue Geschäftsmodelle zu realisieren. Der folgende Beitrag erläutert, wie die Modelle praktisch umgesetzt werden.

Der Energiemarkt hat sich geändert. Während es in Europa in der Vergangenheit knapp 1.700 zentrale Kraftwerke gab, die für die Energieversorgung zuständig waren, übernehmen mittlerweile mehr als acht Millionen dezentrale Anlagen einen immer größeren Teil der Energieversorgung. Die dezentralen Anlagen sind, anders als die zentralen Kraftwerke, in regionale Strukturen integriert: Wind- und Biogasanlagen befinden sich häufig in direkter Nachbarschaft zu Wohnsiedlungen, bei Solaranlagen sind sie sogar auf den Dächern installiert. Deshalb stellt sich die Frage: Warum kann man den Strom nicht direkt von der Anlage beziehen? Mit der richtigen Software es tatsächlich möglich, Erzeuger und Verbraucher auf einem digitalen Marktplatz zusammenzubringen. Die dezentralen Anlagen erfordern eine intelligente Steuerung und Integration in den bestehenden Energiemarkt. Doch wie sehen solche Peer-to-Peer-Ansätze in der Praxis aus?

Regionalstrom für das Fichtelgebirge
Am Beispiel der Stadtwerke Wunsiedel in Oberfranken wird die Notwendigkeit für den Einsatz von lokale Energiegenossenschaften und Privatpersonen stellen mittlerweile 50 Prozent der dezentralen Erzeugungskapazität der Region. Durch den Einsatz von Software konnten die Stadtwerke Wunsiedel ein regionales Stromprodukt kreieren und ihren Kunden den Strom aus genau diesen Anlagen anbieten. Der Strom kann nun direkt von den Solar-, Wind- oder Biogasanlagen aus dem Fichtelgebirge bezogen werden. Die Software bündelt die Vielzahl dezentraler Anlagen zu einem regionalen virtuellen Kraftwerk. Hochentwickelte Algorithmen optimieren die Erzeugung und den Verbrauch hin zu einer ausgeglichen Strombilanz in dieser Region. Auf einem digitalen Marktplatz können Kunden mehr über die Anlagen erfahren und haben somit einen direkten und regionalen Bezug zu dem Strom, ähnlich wie bei Lebensmitteln. Das Modell ist die konsequente Umsetzung des Peer-to- Peer-Gedankens. Das Regionalstromprodukt trägt der langfristigen Strategie der Stadtwerke Rechnung, denn sie profitieren von einer verbreiterten Kundenbasis und einer erhöhten Kundenloyalität, sowie einer Ausweitung des eigenen Geschäfts durch die Einbeziehung von Anlagen in die Direktvermarktung. Software in einem gewandelten Energiemarkt deutlich...

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